Montag, 17. März 2008

Beziehung zur Natur / Vandon Wo.12

Für heute Abend hatte ich mir vorgenommen im Naturschutzgebiet "Eselschwanz" in St. Margrethen ein paar Runden zu joggen. In der Regel drehe ich meine 3 Runden und werfe mal ab und zu einen Blick auf den See. Doch heute war alles anders. Es begann damit, dass ich während dem Laufen 2 Graureiher beobachten konnte, wie sie in den Wipfeln einer Fichte ihr Nest bauten. Als ich weiter wollte überquerte ein Höckerschwanenpaar meinen Weg. Ich musste anhalten und Abstand bewahren, da das Männchen auf mich zukam. Ich entschloss mich darauf hin, über den Wald einen Bogen um das Päärchen zu ziehen. Die Tierbegegnungen gingen weiter. Vor mir ging eine Erdkröte ihres Weges und als ich wieder auf den usprünglichen Weg zurück kam, entdeckte ich einen gefällten Baum, der vor einer Woche noch gestanden war; die Spuren am Stamm waren eindeutig von einem Biber. Nach so vielen Überraschungen beschloss ich von nun an zu gehen anstatt zu laufen. Im nahe gelegenen Weiher paarten sich Grasfrösche und Bergmolche. Ich musste mir selbst eingestehen, dass ein Spaziergang dieser Art vielleicht mehr Erholung bietet als eine gestresste Joggingrunde.
Ich habe bemerkt, dass ich in der Vergangenheit einfach krampfhaft meine Runden gedreht hatte und völlig "blind" durch das Naturschutzgebiet gehetzt bin. Vielleicht wäre es sinnvoll, wenn ich mir ab und an eine Runde gönnen würde, um die ganze Tierwelt wahrzunehmen. Ob ich dabei aber Fett verbrenne, sei dahingestellt.

10 Kommentare:

Dominik's Blog hat gesagt…

Wirklich faszinierend, was du alles an einem Joggingabend erlebt hast!
Ich habe schon oft festgestellt, dass man viel sehen und entdecken kann, wenn man aufmerksam durch die Natur spaziert.
Ich selbst merke das zum Beispiel bim Velofahren. Oft rase ich die Strasse hinab, Kopfhörer im Ohr und Blick auf die Strasse vor mir. Erlebnisgehalt gleich Null.

Ein gemütliches Fahren durch schöne Wälder und ohne Kopfhörer ist natürlich etwas ganz anderes. Nur: wer nimmt sich heutzutage noch die Zeit dafür?

Vandon hat gesagt…

War echt faszinierend, das stimmt. Du erwähnst auch, dass sich heutzutage niemand mehr Zeit dafür nimmt, was eigentlich nicht ganz stimmt. Geh einmal an einem Sonntag um den Eselschwanz spazieren. Da kannst du viele Menschen sehen, die sich der Natur erfreuen. So möchte ich deine Aussage nicht ganz stehen lassen, denn wer lieber den ganzen Tag am PC oder den Abend nur vor dem Fernseher verbringt, der mag zwar klagen, ist aber leider im Unrecht. Man müsste sich einfach an der Nase nehmen und in die Natur raus, anstatt sich dem Konsum hinzugeben.

sommerhut hat gesagt…

toll, dass du deine Joggingrunde mal etwas spannender erlebt hast. Ich bin auch immer wieder von der Natur begeistert. Und im Grunde wissen wir sehr wenig über die Vielfalt und Fantasie der Natur. Am Montag war ich im Botanischen Garten. Das Orchideenhaus war faszinierend. Unzählige verschiedene Orchideen konnte ich bestaunen- und das ist nur ein kleiner Teil, welcher die Natur uns bietet. Weiterhin viel Spass beim Joggen!!

Anonym hat gesagt…

Ich bin auch oft im Eselschwanz und kann dir in der Aussage, dass es dort einiges zu entdecken und zu beobachten gibt, wenn man sich Zeit dafür nimmt, nur zustimmen. Ich finde es faszinierend, dass man je nachdem, ob man sich morgens, mittags oder abends dort aufhält, ganz Unterschiedliches wahrnehmen kann. Sofern man nicht mit Kopfhörern blindlings in der Gegend herumrennt ;-). Also ich muss zwischendurch immer wieder mal dazu zwingen, den MP3 Player zu Hause zu vergessen.

mr. z hat gesagt…

Toller Bericht deiner Joggingrunde, resp. deines Spaziergangs. Das ist noch die "Heile Welt".
Wenn du das oder nur einen Teil davon mit einer Klasse entdecken kannst... Realitätsbezug und Nachhaltigkeit! Was will man mehr!

Zu den vorangegangenen Kommentaren: Ich kann nicht verstehen, warum jemand mit Stöpseln in den Ohren in die Natur zum Joggen geht! Kann man sich dabei wirklich erholen?

Eine kleine Bemerkung zum Blog kann ich mir nicht verkneiffen: Da ich weiss, dass du nicht in St. Margrethen wohnst, stellt sich mir die Frage, wie du zum Naturschutzgebiet gelangst? Mit dem Velo? Nur so apropos Fett verbrennen;-)

Anonym hat gesagt…

Sind wir doch einfach mal ehrlich mit uns selbst, wie schon einige Vorgänger hier geschrieben haben: Wer nimmt sich dafür schon die Zeit? Genau das ist es doch, wenn wir uns heute wirklich mal für etwas die Zeit nehmen, dann muss auch etwas dabei herausspringen. Da reicht es nicht, dass es uns einfach gut tut und wir uns erholen. In allem was wir tun, muss es einen Gewinn für unseren Körper, unseren Geldbeutel oder was auch immer geben. Wenn es nur ein Gewinn für unsere Psyche ist, dann ist das selten ausreichend, um sich z.B. für einen solchen Ausflug zu entscheiden. Das ist schade...

Linzi hat gesagt…

Meine Beziehung zur Natur hat sich im Verlauf der letzten Woche während meinen täglichen Hundespaziergängen geäussert. Am Wochenende machte ich jeweils einen stündigen Spaziergang, unter der Woche morgens früh um 6 Uhr einen 20-minütigen Spaziergang. In den letzten Tagen ist mir vor allem meine Beziehung zum Wetter aufgefallen: An einem Morgen schneite es. Ich war ganz vermummt auf meinem Spaziergang und war in wohlig-vermummter Stimmung. An einem anderen Tag zog mir die Biese durch die Glieder und ich war in durchzogener Stimmung, sehnte mich nach Sonne. Und siehe da, heute morgen lachte mich der blaue Himmel an und ich spazierte lachend dem Wochenende entgegen... das Wetter beeinflusst also meine Stimmung beträchtlich - was mir in den letzten Tagen deutlich bewusst wurde.

Marina hat gesagt…

Mir geht es genau gleich. Ich gehe auch oft in den Wald, doch meistens nehme ich die Umgebung gar nicht mehr richtig war. Durch diesen Auftrag ist mir das wieder einmal richtig aufgefallen. Man sollte sich öfter einmal Zeit nehmen und mit "offenen Augen" durch die Natur gehen. Es gibt wirklich viel zu sehen.

MR83 hat gesagt…

Herrlich, wie du deinen Jogging-Wanderweg beschreibst;-). Ja manchmal nimmt man Dinge erst war, wenn man sie auch wirklich bewusst wahrnehmen will. Schnelligkeit ist in diesem Fall nicht so geeignet für Naturerfahrungen im Detail machen zu können.
Und übrigens habe ich ähnliche Erfahrungen machen können, als ich zwei Tage im Wald verbracht habe. Kaum hatte ich den Rucksack abgestellt, da sah ich etwas, das sich bewegte, direckt vor mir. Es war ein Frosch - er sah genau gleich aus wie das Falllaub. Verschiedene Brauntöne. Später in der Nacht hörte ich dann noch einen Waldkauz schreien.... dabei lief mir ein leichter Schauer über den Rücken.Solche Dinge kann man nur sehen oder hören, wenn man bewusst hinschaut oder bewusst hinhört.

Iglubauer hat gesagt…

Mir geht das oft auch so. Ich habe manchmal das Gefühl, blind durch die Welt zu laufen. Nicht erst seit der ISME bin ich aber total biologiebegeistert, sondern auch durch die Prägung vom Elternhaus. Wir bereisten viele Länder und so wurde ich mit verschiedensten Vegetationen und Tieren vertraut. Vor allem die Tierwelt hat es mir angetan. Wenn ich Tiere sehe, dann bin ich wieder wie ein Kind. Ich platze fast vor Neugier und bin meistens begeistert. Ich hatte auch das Glück schon viele tolle Tierbegegnungen erlebt zu haben. Mitunter eine der prägensten war die Begengnung mit Orcas. Es lief mir kalt den Rücken hinunter, als direkt neben unserem Boot ein Weibchen wieder auftauchte. Durch ein Mikrophon konnten wir ihre Gesänge hören. Das war einfach toll!!
Solche Begegnungen bewegen mich immer wieder, viel in die Natur zu gehen und bewusst Tiere zu beobachten.